Produktivität


Produktivität

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Pro|duk|ti|vi|tät 〈[ -vi-] f. 20; unz.〉 schöpfer. Leistung, Fruchtbarkeit, Ergiebigkeit

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Pro|duk|ti|vi|tät, die; -, -en:
a) das Hervorbringen von ↑ Produkten (1 a), konkreten Ergebnissen, Leistungen o. Ä.; Ergiebigkeit, [gute] Leistungsfähigkeit:
eine große P.;
b) <o. Pl.> schöpferische Kraft, Schaffenskraft.

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Produktivität,
 
die Ergiebigkeit des Produktions- beziehungsweise Wirtschaftsprozesses, gemessen als Verhältnis des mengen- beziehungsweise wertmäßigen Produktionsergebnisses (Output) zur Menge der eingesetzten Produktionsfaktoren beziehungsweise zu den Herstellkosten (Input). Da die Produktivität nicht auf einen bestimmten Umwandlungsprozess beschränkt ist, lässt sie sich für einzelne Produktionsvorgänge genauso ermitteln wie für einen Betriebsteil, ein Unternehmen, einen Wirtschaftszweig und eine Volkswirtschaft. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht kann das Streben nach Produktivitätserhöhung ein Unternehmensziel sein. Eine Steigerung der Produktivität wird erzielt, wenn sich bei konstanter Ausbringung der Einsatz vermindert oder wenn sich die Ausbringung bei gleichem Einsatz erhöht. In der Forderung nach Produktivitätserhöhung kommt das Wirtschaftlichkeitsprinzip zum Ausdruck.
 
Die Aussagekraft von Produktivitätsmessungen hängt u. a. davon ab, wie Einsatz und Ausbringung erfasst werden. Falls sowohl Ausbringung als auch Einsatz in physikalischen Maßeinheiten (Meter, Kilogramm, Liter u. a.) gemessen werden, kommt in der Produktivität die technischen Wirtschaftlichkeit (Effizienz) zum Ausdruck (technische Produktivität, physische Produktivität). Werden dagegen Ausbringung und Faktoreinsatzmengen mit konstanten Preisen bewertet (wertmäßige Wirtschaftlichkeit), erhält man die ökonomische Produktivität (Wertproduktivität). Als Faktoreinsatz kann entweder ein einzelner Produktionsfaktor gewählt werden, wodurch partielle Produktivität (Teilproduktivität) wie Arbeitsproduktivität oder Kapitalproduktivität ermittelt werden können. Dabei wird das Produktionsergebnis auf den einzelnen Faktor bezogen, aber nicht ihm zugerechnet (deshalb besser: arbeits-, kapitalbezogene Produktivität). Der reziproke Wert der Arbeitsproduktivität ist der Arbeitskoeffizient, der der Kapitalproduktivität der Kapitalkoeffizient. Die andere Möglichkeit besteht in der Definition einer globalen Produktivität (Gesamtproduktivität, Totalproduktivität), der die bewerteten Einsatzmengen aller Faktoren zugrunde liegen. Die Produktivität kann sowohl auf die Gesamtmengen (Durchschnittsproduktivität) als auch auf Zuwächse (Grenzproduktivität) bezogen werden.
 
Für die gesamtwirtschaftliche Produktivitätsmessung wird als Ausdruck für die Produktionsmenge das Bruttoinlandsprodukt oder die Bruttowertschöpfung gewählt. Preisveränderungen werden durch Deflationierung (Umrechnung auf konstante Preise) ausgeschaltet. Bei der Ermittlung der Arbeitsproduktivität dient als Größe für den Arbeitseinsatz die Anzahl der Beschäftigten oder Erwerbstätigen oder die Anzahl der geleisteten Arbeitsstunden. Die Messung des Kapitaleinsatzes zur Bestimmung der Kapitalproduktivität ist theoretisch und statistisch sehr schwierig. Da Mengen für die Berechnung ausscheiden, müssen technische Größen (z. B. der Energieverbrauch) oder Preise herangezogen werden. Allgemein wird für Leistungs- und Kostenvergleiche der Kapitalaufwand vorgezogen. Für Analysen über den Kapitalbedarf, die Kapitalstruktur sowie die Produktionsmöglichkeiten sind Bestandsgrößen geeigneter.
 
Bestimmungsgrößen für einzelne Faktorproduktivität sind beim Produktionsfaktor Arbeit z. B. Qualifikation, Motivation, Leistungsanreize, Arbeitsplatz, -zeit, -organisation, beim Produktionsfaktor Kapital z. B. Zusammensetzung, technischer Standard und Auslastung der Anlagen. Die Entwicklung der Produktivität eines Faktors wird v. a. vom Tempo des technischen Fortschritts (»Innovationseffekte«) bestimmt sowie von der Menge des anderen Faktors, mit dem er kombiniert wird (»Substitutionseffekte«). In wachsenden Wirtschaften steigt daher die Arbeitsproduktivität nicht nur wegen des technischen Fortschritts, sondern auch wegen des Anstiegs der Kapitalintensität, d. h. des Verhältnisses von Kapitaleinsatz zu Arbeitseinsatz. Die Entwicklung der totalen Faktorproduktivität wird dagegen im Wesentlichen vom technischen Fortschritt bestimmt und nur in geringem Maß von Änderungen der Faktorproportionen (dem Verhältnis von Kapital- zu Arbeitseinsatz) und von Strukturverschiebungen (z. B. bei Abwanderung von Arbeitskräften aus Wirtschaftsbereichen mit niedriger in solche mit höherer Produktivität).
 
Produktivität gilt in Wirtschaftstheorie und -politik als wichtige Maßzahl für wirtschaftliche Effizienz, Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit und spielt besonders in Theorie und Politik des wirtschaftlichen Wachstums und der Einkommensverteilung sowie in der Lohnpolitik eine Rolle. So stellt die Arbeitsproduktivität eine wichtige Richtschnur für die Entwicklung des Reallohnniveaus dar: Steigt die Arbeitsproduktivität, d. h. die Produktivität je Arbeitsstunde, so kann aufgrund der zusätzlichen Produktivität ein höherer Stundenlohn bezahlt werden, ohne dass über höhere Arbeitskosten das Preisniveau steigen müsste (produktivitätsorientierte Lohnpolitik).
 
 
P. Pietsch: Statist. Probleme der Ermittlung von industriellen Arbeitsproduktivitäten (1984);
 L. Pusse: Arbeits-P. u. Beschäftigung (1984);
 Klaus-D. Schmitt u. E. Gundlach: Investitionen, P. u. Beschäftigung (1988);
 U. Busch: P.-Analyse (31991);
 U. Michaelis: P.-Bestimmung in indirekten Bereichen (1991).
 

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Pro|duk|ti|vi|tät, die; -: a) das Hervorbringen von Produkten (1), konkreten Ergebnissen, Leistungen o. Ä.; Ergiebigkeit, [gute] Leistungsfähigkeit: eine geringe, große P.; die industrielle, wirtschaftliche P. steigern; Ich möchte noch einmal betonen, dass nur Ruhe im Betrieb P. garantiert (v. d. Grün, Glatteis 78); die P. (Sprachw.; das Produktivsein) bestimmter Präfixe; b) schöpferische Kraft, Schaffenskraft: die [geistige] P. anregen.

Universal-Lexikon. 2012.

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